Die Libellenlarve... 

...erzählte einem Blutegel von ihrem immer wiederkehrenden Drang nach oben, um Luft zu schöpfen.
Der Blutegel versteht ihn nicht “Hab ich vielleicht jemals das Bedürfnis nach dem, was du Himmelsluft nennst?“

„Ach“, erwiderte die Libellenlarve, „ich hab nun einmal die Sehnsucht nach oben. Ich versuchte auch schon einmal , an der Wasseroberfläche nach dem zu schauen, was darüber ist. Da sah ich einen hellen Schein, und merkwürdige Schattengestalten huschten über mich hinweg. Aber meine Augen müssen wohl nicht geeignet sein für das, was über dem Teich ist. Aber wissen möchte‘ ich’s doch.“

Der Blutegel krümmte sich vor Lachen. : „ Oh, du phantasievolle Seele, du meinst, über dem Tümpel gibt es noch was ? Lass doch diese Illusionen ! Glaube einem erfahrenen Mann : ich hab‘ den ganzen Tümpel durchschwommen. Dieser Tümpel ist die Welt und die Welt ist ein Tümpel. Und außerhalb dessen ist nichts !“

„Aber ich habe doch den Lichtschein gesehen, und die Schatten !?“
„Hirngespinste ! Was ich fühlen und betasten kann, das ist das Wirkliche“, erwiderte der Blutegel.

Aber es dauerte nicht lange, bis sich die Libellenlarve aus dem Wasser heraus schob. Als sie den trockenen Boden erreicht hatte, starb sie. Doch nach einer Weile wurde ihre Haut in der Sonne brüchig. Sie platzte auf, und langsam kam eine Libelle zum Vorschein. Sie erhob sich in die Luft, und ihre Farben funkelten im Sonnenlicht, als sie über den niedrigen Tümpel davon schwebte.


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